... in Wien neben Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Ungarisch, Slowakisch, Tschechisch in weiteren 12 Sprachen muttersprachlicher Zusatzunterricht geboten wird?
Die Idee, ein bilinguales Schulmodell mit den Sprachen Kroatisch und Deutsch zu installieren, beruht nicht auf einer zufälligen Sprachauswahl, sondern auf der Tatsache, dass in einigen Wiener Stadtteilen, und in der Umgebung des angegebenen Standorts, eine große kroatischsprachige Population lebt. Damit ergibt sich in diesen Gebieten auch mit großer Häufigkeit die Konfrontation mit zweisprachigen Situationen und Zweisprachigkeit kann alltäglich genutzt werden.
Weiters belegen sämtliche Studien, dass der Erwerb der kroatischen Sprache im Rahmen von zweisprachigen Schulmodellen keinen Widerspruch zum bzw. keine Beeinträchtigung des Erwerbs anderer Fremdsprachen darstellt, sondern dass im Gegenteil Zweisprachigkeit mit welchen Sprachen auch immer eine Sensibilisierung für späteres weiteres Sprachenlernen darstellt bzw. dafür brauchbare Fähigkeiten auf metasprachlicher Ebene vermittelt.
Ein zweisprachiges Schulmodell mit Kroatisch als einer der beiden Unterrichtssprachen versteht sich somit nicht als Konkurrenz zum üblichen Fremdsprachenangebot, sondern als Zusatzangebot.
Zielstellung:
Im Projekt HIP wird neben der deutschen auch die kroatische Sprache als Arbeitssprache im Unterricht verankert. Zusätzlich zur Grundschulbildung nach dem österreichischen Lehrplan soll durch das HIP-Projekt zweierlei erreicht werden: Kinder mit kroatischer Muttersprache sollen durch vermehrte Förderung in ihrer Muttersprache ein Sprachniveau erreichen, das ihnen den Erwerb der Zweitsprache Deutsch erleichtert und insgesamt kognitive Strukturen fördert, die eine erfolgreiche Schullaufbahn begünstigen. Kinder mit deutscher Muttersprache sollen Fertigkeiten in der kroatischen Sprache erhalten, die im Rahmen des herkömmlichen schulischen Fremdsprachenlernens kaum vermittelt werden können.
Das Ziel ist demnach ein bilingualer Unterricht, womit sowohl die notwendige Förderung in der Muttersprache, als auch der Erwerb der Mehrheitssprache Deutsch für die MigrantInnenkinder abgesichert wird und außerdem für die deutschsprachigen Kinder Kroatisch tatsächlich auf zweitsprachlichem Niveau - das weit über ein fremdsprachliches Niveau hinausgeht - erwerbbar ist.
Durchführung:
Die Alphabetisierung der Kinder erfolgt daher in der Muttersprache. Dafür ist mindestens das Ausmaß der Stundentafel von Deutsch/ Kroatisch, Lesen, Schreiben für die kroatischsprachigen Kinder durch einen MuttersprachenlehrerIn abzudecken. Diese Stunden werden z.T. in Kursform, daher in geteilten Gruppen, verbracht, wobei auch hier das Teamteaching und die integrative Form je nach unterrichtlichen und pädagogischen Erfordernissen nicht vernachlässigt werden darf. Auf der Grundstufe 2 soll der Unterricht in Deutsch/Kroatisch und Lesen nahezu ausschließlich integrativ im Teamteaching erfolgen, womit die Kinder gleichzeitig mit dem Ausbau sprachlicher Fähigkeiten in der Muttersprache und in der jeweiligen Zweitsprache alphabetisiert werden.
Um den deutschsprachigen Kindern einen entsprechenden Erwerb der kroatischen Sprache als Arbeitssprache ab der Grundstufe 1 zu ermöglichen, werden während der gesamten Volksschulzeit mindestens 5 Wochenstunden in den Bereichen Musikerziehung, Bildnerische Erziehung, Leibesübungen, Sachunterricht und Werkerziehung bilingual im Teamteaching von KlassenlehrerIn und MuttersprachenlehrerIn unterrichtet.
Standort:
VS 15 Benedikt-Schellinger-G. 1-5