... in Wien neben Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Ungarisch, Slowakisch, Tschechisch in weiteren 12 Sprachen muttersprachlicher Zusatzunterricht geboten wird?
Die politische und wirtschaftliche Entwicklung Europas fordert ein vermehrtes Ausmaß an Fremdsprachenkenntnissen, um persönliche und berufliche Kontakte zu Menschen mit anderer Muttersprache knüpfen zu können. Insbesondere durch die Ostöffnung haben sich neue Möglichkeiten zur Intensivierung der kulturellen und wirtschaftlichen Kontakte zu den östlichen Nachbarländern Österreichs, Ungarn, Tschechien und Slowakei ergeben. Durch die Neugestaltung Europas gewinnt Wien als kultureller, politischer und wirtschaftlicher Treffpunkt zwischen Ost und West immer mehr an Bedeutung.
Zielstellung:
Der multilinguale Unterricht im Schulversuch "Europäische Mittelschule" (EMS) bietet die Möglichkeit, dass eine andere Sprache als die Muttersprache der SchülerInnen zur Arbeitssprache wird und man eine Drittsprache aus dem europäischen Raum so weit beherrscht, um in ihr handlungsfähig zu sein. Zusätzlich bietet diese Schulform eine einmalige Chance, bei SchülerInnen der oben genannten Länder ein tieferes Verständnis für ein europäisches, grenzübergreifendes Mit-einanderleben und Arbeiten zu entwickeln. Ausgehend von multilingualen SchülerInnen (z. B. SchülerInnen mit Muttersprache Deutsch, Englisch, Slowakisch, Tschechisch, Ungarisch) soll in der EMS ein Bildungsangebot sichergestellt werden, das einerseits den SchülerInnen eine, dem österreichischen Lehrplan des Realgymnasiums bzw. den ungarischen, tschechischen und slowakischen Lehrplänen entsprechende Grundbildung gewährleistet, das andererseits aber auch Möglichkeiten bietet, Fertigkeiten in einer zweiten und dritten Sprache zu erwerben.
Unterrichtsinhalte:
Als Grundlage der multilingualen Mittelstufe dienen die Zielvorgaben des Modells "Mittelschule" und in den damit verbundenen Konsequenzen soll ein Konzept erprobt werden, in dem die SchülerInnen in zunehmendem Maß befähigt werden, neben ihrer Muttersprache auch in einer Zweit- und Drittsprache sprachliche Kompetenz zu erwerben.
Die "Europäische Mittelschule" Wien (EMS) hat drei Schwerpunkte:
1. Erfüllung der nationalen Lehrpläne
2. Verstärkter Sprachunterricht
3. Europäische Dimension
Ad 1. Lehrplanmäßiger Unterricht: Lehrplanmäßiger Unterricht in der Muttersprache (Deutsch, Slowakisch, Tschechisch und Ungarisch) wird von muttersprachlichen LehrerInnen durchgeführt. Die nationalen Lehrplanforderungen werden daher im Rahmen der nationalen Studien erfüllt. Die Kreativen Studien - Bildnerische Erziehung und Musikerziehung - werden weitgehend in Deutsch unterrichtet.
Der sportliche Bereich wird jeweils von einem/einer österreichischen LehrerIn im Team mit einem/einer LehrerIn aus einem der drei Nachbarländer abgehalten.
Ad 2. Verstärkter Sprachunterricht: Verstärkter Sprachunterricht wird in Englisch als Erste Lebende Fremdsprache gegeben. Auch im Bereich der „Europäischen Studien” (ES) besteht das Ziel darin, Englisch als Arbeitssprache auf natürliche Weise zu entwickeln. Der Erwerb einer weiteren Fremdsprache (z. B. Deutsch, Französisch, Italienisch, Slowakisch, Tschechisch, Ungarisch), die mit einer Note im Zeugnis berücksichtigt wird, ist vorgesehen.
Ad 3. Europäische Dimension: Im Bereich der Europäischen Studien soll den SchülerInnen ein Bewusstsein für den europäischen Raum in Aspekten wie historische Hintergründe, geographische und umweltbedingte Zusammenhänge, Kultur und Kunst vermittelt werden. Die Arbeitssprache ist Englisch.
Gültigkeit der Zeugnisse:
Die oben skizzierten didaktischen Inhalte zielen darauf ab, den SchülerInnen der "Europäischen Mittelschule" Wien (EMS) ein europäisches Bewusstsein zu vermitteln. Es muss jedoch gewährleistet werden, dass diese Inhalte auch die nationalen Lehrplanforderungen erfüllen und dadurch die Möglichkeit bieten die Schulzeugnisse der "Europäischen Mittelschule" Wien (EMS) in Österreich, in der Slowakischen Republik, in der Tschechischen Republik und in Ungarn vollinhaltlich anzuerkennen, sodass keine zusätzlichen Prüfungen für die Anerkennung der jeweiligen Zeugnisse im jeweiligen Land notwendig sind.
LehrerInneneinsatz:
In der "Europäischen Mittelschule" Wien (EMS) sind folgende LehrerInnengruppen vorgesehen: Hauptschul-LehrerInnen, AHS-LehrerInnen, muttersprachliche LehrerInnen aus der Slowakischen Republik, aus der Tschechischen Republik und aus Ungarn sowie englischsprachige LehrerInnen des jeweiligen Fachbereichs (native speaker teachers).
SchülerInnenaufnahme:
Nach Möglichkeit besteht eine Klasse jeweils zur Hälfte aus SchülerInnen mit deutscher Muttersprache, die nach Möglichkeit im Einzugsbereich des Schulstandortes wohnen sowie SchülerInnen mit slowakischer, mit tschechischer oder mit ungarischer Muttersprache, die entweder in Wien oder im Grenzgebiet (bis zu ca. 80 - 100 km im Landesinneren) wohnen. Die nichtösterreichischen Kinder, die aus dem Grenzgebiet kommen, haben die Möglichkeit, in einem eigenen Wohnheim untergebracht zu werden. Die SchülerInnen müssen Vorkenntnisse in Englisch und Deutsch aus der Volksschule mitbringen, um dem Unterricht in den „European Studies” auf Englisch folgen zu können.
Ganztägige Betreuung:
Die "Europäischen Mittelschule" Wien (EMS) ist als ganztägige Schulform (Offene Schule) mit Mittagessen und Nachmittagsbetreuung geplant, um den SchülerInnen die Möglichkeit zu bieten, die verschiedenen Sprachen durch den Umgang miteinander im Lern- und Freizeitbereich auf natürliche Weise zu pflegen und zu einer Gemeinschaft zusammenzuwachsen.
Standort:
"Europäische Mittelschule" Wien (EMS). Neustiftgasse 98-102, 1070 Wien